Gitarre lernen für Anfänger: die ersten Wochen
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Die Gitarre steht da, du hast dir ein paar Videos angesehen, und trotzdem klingt jeder Griff wie ein Scheppern. Genau an dieser Stelle steigen viele wieder aus, weil sie glauben, sie hätten kein Talent. Tatsächlich sind die ersten Wochen bei fast allen gleich unangenehm, und es hilft enorm, vorher zu wissen, was auf dich zukommt.
Was passiert in den ersten Wochen wirklich?
Deine Finger können anfangs schlicht das nicht, was du von ihnen willst. Die Greifhand muss lernen, einzelne Finger unabhängig voneinander zu bewegen und dabei senkrecht auf die Saite zu drücken, statt sie schräg abzuquetschen. Das ist eine motorische Fähigkeit, keine musikalische. Sie baut sich über Wiederholung auf, nicht über Verständnis. Du kannst dir eine Grifftabelle stundenlang ansehen und der Griff klingt trotzdem erst dann sauber, wenn du ihn hundertfach gemacht hast.
Dazu kommen die Fingerkuppen. Sie tun weh, und zwar richtig. Bei regelmäßigem Üben bildet sich mit der Zeit Hornhaut, und der Schmerz lässt nach. Wie lange das dauert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bis dahin sind kurze, häufige Übungseinheiten besser als lange: Zwanzig Minuten täglich bringen dich weiter als zwei Stunden am Sonntag, und sie tun weniger weh.
Was in den ersten Wochen realistisch drin ist: ein paar offene Akkorde, die einzeln sauber klingen, ein einfaches Schlagmuster und ein Lied, das man mit gutem Willen erkennt. Was nicht drin ist: flüssige Wechsel, Barrégriffe oder schnelle Solos. Einfache Melodien auf einer Saite gehen dagegen früh, sie sind leichter als jeder Akkordwechsel. Wer dir etwas anderes verspricht, verkauft dir etwas.
Womit du anfängst
Als Erstes stimmst du das Instrument, und zwar jedes Mal. Eine verstimmte Gitarre klingt auch bei perfektem Griff falsch, und du suchst den Fehler bei dir. Ein Clip-on-Stimmgerät für wenige Euro klemmst du an die Kopfplatte, das reicht völlig. Die Standardstimmung ist von der dicksten zur dünnsten Saite E, A, D, G, H, E.
Dann kommen die offenen Akkorde. Sinnvoll sind Em und Am, weil sie mit zwei beziehungsweise drei Fingern auskommen, danach D, G, C und E. Mit Am, C, G und D lassen sich schon eine Menge Lieder begleiten. Der F-Dur-Barrégriff und alles, wofür du den Zeigefinger quer über alle Saiten legst, kommt später. Wenn du damit in Woche zwei anfängst, frustrierst du dich ohne Gegenwert.
Achte von Anfang an auf die Haltung, auch wenn das langweilig klingt. Das Handgelenk der Greifhand bleibt möglichst gerade, der Daumen liegt hinten auf dem Hals und nicht darüber gehakt, und die Finger kommen von oben auf die Saite, damit sie die Nachbarsaiten nicht mit abdämpfen. Angewöhnte Fehler wieder loszuwerden dauert länger, als sie gar nicht erst zu machen.
Parallel dazu übst du die Anschlagshand. Ein simples Schlagmuster nach unten auf jeden Zählzeitpunkt reicht am Anfang. Wichtiger als das Muster ist, dass die Hand durchläuft und nicht bei jedem Akkordwechsel stehen bleibt.
Warum so viele wieder aufhören
Der häufigste Grund ist eine falsche Erwartung an das Tempo. Zwischen “ich kann den Griff” und “ich kann den Griff im Lied wechseln” liegen Wochen, und in dieser Zeit fühlt es sich an, als würde nichts passieren. Wer den Fortschritt nur daran misst, ob es schon nach Musik klingt, sieht sehr lange keinen.
Der zweite Grund ist fehlende Struktur. Wenn du dich durch Einzelvideos klickst, übst du dreimal denselben Anfängerinhalt und lässt dafür Grundlagen aus, die dir später fehlen. Ein Kurs mit fester Reihenfolge nimmt dir die Entscheidung ab, was als Nächstes dran ist.
Der dritte Grund ist das Instrument selbst. Eine Gitarre mit zu hoher Saitenlage macht das Greifen unnötig schwer, und ein Anfänger kann das schlecht einschätzen. Worauf du beim Kauf achten solltest, steht im Artikel Welche Gitarre für Anfänger?.
Wie du dranbleibst
Setz dir ein Ziel, das du auch erreichst, wenn eine Woche schlecht läuft. Ein festes Lied, das du in zwei Monaten begleiten willst, funktioniert besser als “gut Gitarre spielen”. Leg das Instrument sichtbar hin, im Koffer unter dem Bett übt es sich schlecht. Und nimm dich alle paar Wochen mit dem Handy auf. Der Vergleich mit deiner Aufnahme von vor einem Monat zeigt dir Fortschritte, die du im Alltag nicht bemerkst.
Wenn die Wechsel dann anfangen zu hakeln, und das tun sie bei allen, findest du die Gründe dafür im Artikel Akkordwechsel üben.
Ob du für den Anfang überhaupt einen strukturierten Kurs brauchst oder erst einmal ausprobieren willst, ob dir das Instrument liegt, ist eine Frage von Budget und Anspruch. Welcher Kurs zu welchem Ziel passt, ordnen wir im Gitarrenkurse-Vergleich ein. Für den Einstieg findest du unten passende Angebote:
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