Gitarre üben: wie oft und wie lange ist sinnvoll?

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Unter der Woche kommst du nicht dazu, also nimmst du dir den Sonntag vor und spielst zwei Stunden am Stück. Am Montag fühlt sich alles an wie vorher, die Finger sind steif, der Wechsel von G nach C hakt wieder. Das liegt nicht daran, dass du zu wenig geübt hast. Es liegt daran, wie du die Zeit verteilst.

Wie oft solltest du Gitarre üben?

Öfter und kürzer schlägt selten und lang. Gitarrespielen ist zu einem großen Teil Motorik, und Bewegungsabläufe festigen sich nicht nur während des Übens, sondern in den Stunden danach, wenn dein Gehirn das Gelernte verarbeitet. Wer siebenmal fünfzehn Minuten übt, gibt sich sieben solcher Verarbeitungsphasen. Wer einmal zwei Stunden übt, gibt sich eine, und ist in der zweiten Stunde ohnehin zu müde für saubere Bewegungen.

Dazu kommt der körperliche Teil. Fingerkuppen brauchen regelmäßige, moderate Belastung, um Hornhaut aufzubauen. Eine lange Session pro Woche reizt sie stärker, als sie sich in dieser Zeit anpassen können, und in der Woche Pause bildet sich ein Teil davon wieder zurück.

Als Richtwert für den Alltag: lieber jeden Tag fünfzehn bis zwanzig Minuten als zweimal die Woche eine Stunde. Wenn du an einem Tag nur fünf Minuten hast, nimm die fünf Minuten. Eine kurze Einheit hält die Gewohnheit am Leben, und die Gewohnheit ist der eigentliche Engpass, nicht die Minutenzahl.

Wie lange am Stück?

Ab einem gewissen Punkt fängst du an, Fehler einzuüben. Die Konzentration lässt nach, die Greifhand verkrampft, und du wiederholst genau die schludrige Version, die du eigentlich loswerden wolltest. Wo dieser Punkt liegt, ist individuell, aber du merkst ihn: Wenn die Fehlerquote steigt statt zu fallen, ist die Einheit vorbei.

Wenn du längere Zeit am Stück hast, teil sie auf. Zwanzig Minuten üben, Pause, später am Tag noch einmal zwanzig. Das bringt mehr als vierzig am Stück.

Wie kann ein Übeplan aussehen?

Der häufigste Fehler ist, die ganze Zeit mit dem Spielen von Songs zu verbringen, die du schon kannst. Das macht Spaß und ist auch nicht falsch, aber es bringt dich nicht weiter. Eine feste Aufteilung hilft. Für zwanzig Minuten zum Beispiel:

Bei einer Stunde skalierst du die Blöcke, nicht ihre Anzahl. Die Reihenfolge bleibt: erst Technik, dann Neues, dann Bekanntes. Andersherum verbrennst du die frische Konzentration an Dingen, die ohnehin sitzen.

Langsam ist schneller

Die wichtigste Regel beim Üben einer schwierigen Stelle: Geh so weit mit dem Tempo runter, bis sie fehlerfrei geht, und zwar mehrmals hintereinander. Erst dann drehst du in kleinen Schritten auf. Wer im Zieltempo übt und dabei stolpert, übt das Stolpern mit ein, und das wieder loszuwerden dauert länger, als es langsam richtig zu lernen.

Ein Metronom ist dafür kein Luxus, sondern das ehrlichste Werkzeug, das du hast. Es zeigt dir schwarz auf weiß, ob du wirklich schneller geworden bist oder es dir nur so vorkommt. Setz dir Etappen: Wenn eine Stelle bei 60 bpm dreimal sauber läuft, gehst du auf 66, nicht auf 90.

Für Akkordwechsel gilt dasselbe Prinzip in eigener Form, dazu findest du konkrete Übungen im Ratgeber zum Akkordwechsel üben.

Wann Pause richtig ist

Nicht jede Pause ist Faulheit. Wenn die Fingerkuppen wund sind, hört das Üben auf, sonst reißt die Haut und du fällst mehrere Tage aus. Trockene, gereizte Kuppen brauchen einen Tag Ruhe, dann geht es weiter.

Schmerzen im Handgelenk, im Unterarm oder im Daumenballen sind ein anderes Signal. Die kommen von Haltung und Kraft, nicht von Gewöhnung. Weiterüben verschlimmert sie. Sitzposition, Halswinkel und Daumenposition an der Halsrückseite prüfen, und wenn es nicht besser wird, ärztlich abklären lassen. Sehnenscheidenprobleme können beim Spielen entstehen und lassen sich früh besser behandeln als spät.

Auch mehrtägige Unterbrechungen sind kein Drama. Nach einem Urlaub fühlt sich die erste Einheit klobig an, meist bist du nach ein paar Einheiten wieder auf deinem alten Stand. Was Fortschritt kostet, sind nicht einzelne Lücken, sondern die Wochen, in denen aus einer Lücke ein Zustand wird.

Womit du übst

Ein Plan ist nur so gut wie das Material, das du hineinlegst. Wenn du dir jeden Abend selbst überlegen musst, was du übst, fällt das Üben irgendwann aus. Deshalb funktionieren Kurse mit fester Reihenfolge für viele besser als lose Videosammlungen. Welcher Kurs zu welchem Ziel passt, steht im Vergleich der Online-Gitarrenkurse, und wenn du gerade erst anfängst, lohnt vorher der Blick in die Anleitung für Anfänger.

Für den Technikblock am Anfang jeder Einheit brauchst du kein komplettes Kurspaket, sondern einen Vorrat an Übungen, den du in Tagesportionen abarbeiten kannst.

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