Gitarre lernen als Erwachsener: der Wiedereinstieg
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Die Gitarre steht seit Jahren im Schrank oder hinter dem Sofa. Als Jugendlicher konntest du ein paar Akkorde, dann kamen Ausbildung, Job, Kinder, und irgendwann hast du sie nicht mehr angefasst. Jetzt juckt es wieder, und gleichzeitig sitzt die Frage im Nacken: Lohnt sich das mit Mitte vierzig überhaupt noch, oder hast du den Zug verpasst? Der Zug ist nicht weg. Er fährt nur anders, als du es aus deiner Jugend in Erinnerung hast.
Warum lernen Erwachsene anders als Kinder?
Kinder lernen Gitarre vor allem über Nachahmung. Sie schauen sich eine Handhaltung ab, machen sie nach, korrigieren über Wochen unbewusst nach und fragen dabei selten, warum etwas so gemacht wird. Dazu kommt der äußere Rahmen: feste Unterrichtsstunden, Eltern, die ans Üben erinnern, und wenig Erwartung an das eigene Ergebnis.
Als Erwachsener bringst du andere Werkzeuge mit. Du kannst analysieren, warum ein Griff schnarrt, statt es nur zu spüren. Du verstehst, wie Akkorde aufgebaut sind, und kannst dieses Wissen von einem Song auf den nächsten übertragen. Du kannst dir selbst einen Plan machen und ihn einhalten, ohne dass dich jemand erinnert.
Der Haken liegt woanders. Erwachsene bewerten sich beim Üben ununterbrochen. Im Kopf läuft die Aufnahme, wie das Stück klingen soll, und daneben das, was aus deinen Fingern kommt. Diese Lücke ist am Anfang groß, und sie ist einer der Gründe, warum die Gitarre schnell wieder im Schrank landet. Kinder hören diese Lücke auch, aber sie ziehen daraus keine Schlüsse über sich selbst.
Praktisch heißt das: Nimm dir die Bewertung weg, wo es geht. Nimm dich am Anfang nicht auf. Vergleich dich nicht mit dem, was du mit siebzehn konntest, sondern mit dem, was du letzte Woche konntest.
Was von früher noch da ist
Wenn du früher schon gespielt hast, fängst du nicht bei null an, auch wenn es sich in der ersten Woche genau so anfühlt. Akkordformen sitzen oft noch als Bewegungsmuster in der Hand, sie brauchen nur wieder Anschluss. Rhythmusgefühl und Gehör gehen erfahrungsgemäß weniger schnell verloren als die Kraft in der Greifhand, verlass dich aber nicht darauf. Spürbar fehlen können dir vor allem die Hornhaut an den Fingerkuppen und die Kraft in der Greifhand.
Damit musst du rechnen: Die ersten Übeeinheiten tun an den Fingerspitzen weh, und du hältst keine zwanzig Minuten am Stück durch. Das ist normal und geht vorbei, sobald die Kuppen sich wieder anpassen. Übe in dieser Phase lieber öfter kurz als selten lang. Schmerzen im Handgelenk oder im Unterarm sind eine andere Sache. Die kommen von Fehlhaltung, nicht von fehlender Gewöhnung, und da hilft nur Pause und ein Blick auf Sitzposition und Halswinkel.
Übezeit im Alltag finden
Der Kalender wird nicht leerer. Wer auf den freien Abend wartet, wartet lange. Was funktioniert, ist Übezeit an etwas zu hängen, das ohnehin jeden Tag passiert. Nach dem Abendessen, bevor die Kinder ins Bett gehen, direkt nach der Arbeit, bevor du dich hinsetzt.
Genauso wichtig: Die Gitarre muss greifbar sein. Ein Instrument im Koffer unter dem Bett wird nicht gespielt. Eines auf einem Ständer im Wohnzimmer schon, weil die Hürde von fünfzehn Minuten Üben dann tatsächlich fünfzehn Minuten beträgt und nicht fünfundzwanzig mit Auf- und Abbau. Wie viel Zeit realistisch nötig ist, steht ausführlicher im Ratgeber zur Übehäufigkeit.
Realistische Erwartungen
Sag dir vorher, was du eigentlich willst. “Gitarre spielen können” ist kein Ziel, sondern ein Gefühl. “Fünf Lieder am Lagerfeuer begleiten” ist ein Ziel, an dem du merkst, ob du vorankommst.
Was zuerst zurückkommt, sind einzelne Akkorde und einfache Schlagmuster. Was am längsten dauert, sind saubere und schnelle Akkordwechsel, weil daran zwei Hände gleichzeitig beteiligt sind. Wenn du im ersten Monat an Wechseln hängst, ist nichts kaputt, das ist der normale Verlauf. Wie schnell es bei dir geht, hängt von deiner Vorerfahrung und deiner Regelmäßigkeit ab, und niemand kann dir das seriös in Wochen vorrechnen.
Beim Instrument gilt: Deine alte Gitarre reicht meistens, sie braucht nur neue Saiten und im Zweifel eine Einstellung beim Gitarrenbauer. Erst wenn die Saitenlage so hoch ist, dass Greifen zur Kraftübung wird, lohnt der Blick auf ein neues Instrument. Dazu findest du eine Einordnung im Ratgeber welche Gitarre für Anfänger passt.
Allein oder mit Anleitung
Kostenlose Videos gibt es genug, und für einzelne Songs sind sie brauchbar. Was sie nicht liefern, ist Reihenfolge. Genau die fehlt Wiedereinsteigern am meisten, weil du Lücken aus deiner ersten Gitarrenzeit mitbringst und selbst nicht siehst, wo sie liegen. Ein Kurs mit festem Aufbau nimmt dir diese Entscheidung ab.
Nicht jeder Kurs ist für Erwachsene gemacht, viele richten sich an Kinder oder an Leute, die noch nie ein Instrument in der Hand hatten. Im Vergleich der Online-Gitarrenkurse siehst du, welcher Kurs zu welchem Ziel passt. Für den Wiedereinstieg findest du unten passende Angebote.
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Gitarre lernen online Masterplan
Kurs für Neu- und Wiedereinsteiger. Der Anbieter nennt als Zielgruppe ausdrücklich Erwachsene ab etwa 40 Jahren und legt den Aufbau auf regelmäßige Erfolgserlebnisse an.
Geeignet für: Für dich, wenn du früher schon einmal gespielt hast und den Faden wieder aufnehmen willst
- Einer der wenigen Kurse, der Erwachsene und Wiedereinsteiger offen als Zielgruppe nennt
- Auf frühe Erfolgserlebnisse ausgelegt, das hilft gegen das Abbrechen nach drei Wochen
- Der Preis kann für den Einstieg eine Hürde sein, prüfe den aktuellen Betrag beim Anbieter
- Für Kinder und Jugendliche nicht gedacht

Gitarrenschule ohne Noten
Videopaket für den Einstieg ohne Notenkenntnisse. Laut Anbieter 106 Videos mit über sieben Stunden Material plus PDF-Buch, herunterladbar auf mehrere Geräte.
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- Videos liegen lokal vor, du brauchst zum Üben kein Internet
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